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Mythen, Maler und wirtschaftlicher Aufschwung: Ausstellung „150 Jahre Bahnhof Bestwig“ eröffnet

Published: 8. November 2022

Bestwig. Ein Pfiff und der Ausruf „Vorsicht an der Bahnsteigkante“ - ganz stilecht wurde jetzt die Ausstellung „150 Jahre Bahnhof Bestwig“ im Foyer des Bestwiger Bürger- und Rathauses durch Adelheid Bamfaste, Vorsitzende des Bestwiger Heimatbundes, eröffnet. Mit zahlreichen großformatigen Bildern und Texten hat der Heimatbund eine interessante und vielseitige Retrospektive zusammengetragen. Sie beleuchtet die enge Verbindung zwischen der Entwicklung der Gemeinde Bestwig und der Oberen Ruhrtalbahn; ordnet die Dokumente aber gleichzeitig auch zeitgeschichtlich ein.

Denn: Als am 1. Juli 1872 der erste Personenzug zwischen Meschede und Bestwig verkehrte, sei dies „die sicherlich wichtigste infrastrukturelle Maßnahme der Gemeinde Bestwig gewesen“, unterstrich der 1. stv. Bürgermeister Markus Sommer - wichtiger noch als der Bau der Autobahn. Durch den Bahnhof hätten die heimischen Unternehmen Anschluss an andere Regionen Deutschlands erhalten - und auch die Bahn selbst habe zahlreiche Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Noch heute sei der Bahn-Anschluss „ein absoluter Standortvorteil“, so Markus Sommer, der dem Heimatbund und insbesondere Paul Gierse für die Ausstellung dankte: So werde Geschichte erlebbar - und gleichzeitig erhalten.

Auch Kreisheimatpfleger Hans-Jürgen Friedrichs unterstrich die Bedeutung der Eisenbahn für die Region. Zum einen gab es plötzlich für alle Menschen - und nicht nur wie bis damals für den Adel - Reise- und Transportmöglichkeiten. Und zum anderen strukturierten Fahrpläne Verbindungen und Arbeitsabläufe - Zeit und Pünktlichkeit erhielten auf einen Schlag im bis dahin dörflichen Leben im Ruhrtal schlagartig eine besondere Bedeutung und strukturierten Tagesabläufe und Alltag.

Zusammengetragen und erstellt wurde die Ausstellung durch Paul Gierse, der im Vorstand des Bestwiger Heimatbundes mitarbeitet. Schon bei der Frage nach dem Standort des Bahnhofes räumt die Schau mit hartnäckigen Mythen auf. So werde häufig kolportiert, dass die Bauern in Velmede angesichts des Funkenfluges der Lokomotiven um die Sicherheit der strohgedeckten Häuser fürchteten. Aber: „Wer hatte vorher schon eine Dampflok gesehen?”, fragt Paul Gierse. Entscheidend war aber ein anderes Argument: Möglicher Bahnhofs-Standort in Velmede war das Gelände der jetzigen St.-Andreas-Kirche - “die Velmeder hatten aber Sorge, dass der Kirchenneubau nicht mehr die räumliche Beziehung zum alten Standort” gehabt hätte, so Paul Gierse. Und auch Nuttlar sei ausgeschieden, da hier eine so genannte Rampe bis zum Elleringhauser Tunnel beginne. Paul Gierse: “Bei einer Lokomotivstation in Nuttlar hätte der Beginn der Fahrt mit einer zweiten Lok direkt am Fuß der Steigung beginnen müssen. Das wäre aber kaum zu realisieren gewesen, denn die Züge hätten nicht den nötigen Anlauf, den nötigen Schwung gehabt.”

Bevorzugter Standort für den Bahnhof sei von Anfang an Bestwig gewesen, so Paul Gierse - damals mit nur sieben Häusern und 44 Einwohnern eher ein „Vorort von Ramsbeck“. Denn im Valmetal gab es Erzgruben, die eine Verlademöglichkeit benötigten: Die Bergbaugesellschaft in Stolberg bei Aachen werde „allen möglichen Einfluss ausgeübt haben, dass der Bahnhof nach Bestwig kam.”

Notiz am Rande: Am Eröffnungstag der neuen Bahnstrecke wurde in Velmede Schützenfest gefeiert. Paul Gierse: “Eine absolute Nachricht aus einer Chronik ist, dass der bei der für die Bahngesellschaft arbeitende Bauingenieur August Macke mit weiteren Personen am Schützenfest teilnahm und er sogar König wurde.” Und mehr noch: Der Bauingenieur ist der Vater des später berühmt gewordenen Malers August Macke jun. - in Velmede hat Macke während der Bauzeit der Bahn dessen Mutter Florentine Adolph kennengelernt.

Weitere Erläuterungen zu der Ausstellung können Interessierte auch per QR-Code online abrufen. Die sehenswerte Bilder- und Textschau ist in den kommenden ver Wochen zu den üblichen Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung im Foyer des Bürger- und Rathauses zu sehen; der Eintritt ist frei.

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