Ramsbeck. Bevor die Natur Zeit und Raum bekommt, sich künftig selbst zu entwickeln, wird gearbeitet: Die naturnahe Umgestaltung der Valme in Ramsbeck geht voran. Aktuell wird im Bereich des Uferwegs gearbeitet - und für Einheimische und Gäste wird immer deutlicher, wie es künftig an „ihrer“ Valme aussehen wird.

Gleich mit mehreren Baggern wird an und im Flusslauf gearbeitet: Die Betonelemente, die bislang das Flussbett begrenzt haben, sind entfernt worden und werden durch Naturstein ersetzt. Keineswegs Luxus, wie Friedhelm Koch, Umwelt-Ingenieur der Gemeinde Bestwig, erklärt: „Die Betonelemente waren baufällig und hätten ohnehin ausgetauscht werden müssen.“ Zum naturnahen Umfeld gehören aber natürliche Baustoffe - und standortgerechte Pflanzen. Deshalb werden auch die Uferbereiche der Valme mit heimischen Bäumen neu bepflanzt.

Auf einer Länge von rund 6,1 Kilometern - von Werdern bis zur Ziegelwiese - erhält die Valme derzeit ihr natürliches Gesicht zurück. „Wir liegen voll im Zeitplan“, freut sich Friedhelm Koch. Unterstützt werden die Arbeiten durch das Team des Bestwiger Bauhofs: „Auch das ist ein Grund, dass wir zügig vorankommen.“

 

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Insgesamt 39 größere und kleinere Querbauwerke - wie etwa Abstürze und Staustufen - werden in der Valme entfernt. Wenn ein Fluss für für Fische und Kleinlebewesen durchgängig wird, hat dies positive Auswirkungen sowohl auf die Gewässerreinhaltung wie auch auf den Artenschutz. „Ziel ist es“, erläutert der Umwelt-Ingenieur, „den natürlichen Bedingungen eines Mittelgebirgs-Auenflusses auch innerhalb der Ortslage ein möglichst großes Stück näher zu kommen.“

Doch nicht nur die Natur soll von der Umgestaltung profitieren: „Hier entstehen kleine Naherholungsgebiete, die auch erlebbar sein werden“, so Friedhelm Koch. Zum Beispiel im Bereich des Ramsbecker Dorfplatzes: Dort wird es einen Zugang zum Wasser geben. Und auch im Bereich des Sauerländer Besucherbergwerkes und der Ziegelwiese bekommt die Valme mehr Platz: An diesen Stellen kann sich das Flussbett in die Breite entwickeln - und sich durch den Wechsel der Jahreszeiten und
Hochwässer ständig verändern. „So wird es eine ganze Fülle von verschiedenen Lebensräumen geben“, weiß der Umwelt-Fachmann - die beste Voraussetzung für eine besonders artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Mit dem Projekt erfüllt die
Gemeinde Bestwig zudem einen gesetzlichen Auftrag: Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet die öffentliche Hand dazu, die Flüsse in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen.

Insgesamt soll die Renaturierung des 6,1 Kilometer langen Flussabschnitts knapp eine Million Euro kosten. 90 Prozent dieser Summe werden durch die Bezirksregierung Arnsberg gefördert. Ihren zehnprozentigen Eigenanteil kann die Gemeinde Bestwig mit den so genannten „Ökopunkten“ verrechnen - eine Art „Umwelt-Guthaben“, das etwa dann notwendig wird, wenn kommunale Bau-Projekte umgesetzt werden sollen. „Insofern sind Renaturierungsmaßnahmen für die Gemeinde Bestwig - wie schon die anderen bereits fertig gestellten Projekte -kostenneutral“, so Umwelt-Ingenieur Koch. Mehr und mehr werden die Gewässer auf dem Gebiet der Gemeinde Bestwig so zu einem „Gesamt-Lebensraum“, von dem
Natur und auch Menschen profitieren können.