Es könnte Bewegung in die Zeugnisse der reichen Bestwiger Bahn-Geschichte kommen - und das im wahrsten Sinn des Wortes: Der Bestwiger Bürgerausschuss hat einstimmig beschlossen, ein Verfahren einzuleiten, um den historischen Wasserkran des früheren Bahnbetriebswerks Bestwig an eine öffentlich zugängliche Stelle des Bahnhofsgeländes zu versetzen. Nun hat das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe das Wort.

Der wuchtige, mehrere Meter hohe Wasserkran hatte in der Vergangenheit dazu gedient, Dampflokomotiven mit Wasser zu befüllen. Derzeit befindet er sich auf dem nicht zugänglichen früheren Lokschuppengelände - in der Nachbarschaft des Wasserturms, der aufgrund seines maroden Zustands nicht mehr betreten werden kann. Beide Eisenbahn-Relikte stehen unter Denkmalschutz - einstimmig hat der Bürgerausschuss allerdings auch entschieden, den Wasserturm aus der Denkmalliste auszutragen, um auf diese Weise einen Abriss zu ermöglichen.

 

Denkmal: Wasserkran

Foto: Das Ziel: Der historische Wasserkran soll an einen öffentlich zugänglichen Ort versetzt werden. Bildnachweis: Archiv Gemeinde Bestwig

 

Hintergrund: Die Team Timber Logistik GmbH möchte das frühere Lokschuppen-Gelände zu einem Holzverladeplatz umbauen. Die beiden Industrie-Denkmale erschweren diese künftige Nutzung erheblich: Die Team Timber GmbH hatte ein Ingenieurbüro mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt, um zu prüfen, wie der Holzumschlagplatz gestaltet werden könnte, um die Denkmale zu erhalten. Ergebnis: Die logistischen Anforderungen können nicht erfüllt werden, wenn die Denkmale an Ort und Stelle erhalten bleiben. Denn auf dem Platz müssen ausreichende Gleislängen zur Verladung und zum Rangieren von so genannten „Ganzzügen“ vorhanden - mit Wasserkran und -turm ist das nicht zu machen. Die Team Timber GmbH hat deshalb den Antrag gestellt, die Denkmalobjekte zu entwidmen oder zu versetzen  im Fachjargon: zu translozieren.

Für den Wasserturm sehe die CDU-Fraktion keinerlei Denkmalwert mehr, argumentierte Fraktionschef Winfried Gerold. Das Gebäude sei seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben: „Die Bahn als Eigentümerin hat sich nicht gekümmert.“ Eine Versetzung sei nicht möglich. Auch die „Ensemble-Wirkung“, welche die Denkmal-Behörden Wasserturm und -kran gemeinsam zusprechen, sei in der Sache nicht gegeben: Dazu hätten ebenfalls Drehscheibe und Lokschuppen gehört, die es nicht mehr gebe. Würde man die Möglichkeiten schaffen, den Wasserturm abzureißen und den Wasserkran zu versetzen, würde der Kran auch wieder öffentlich wahrnehmbar. Winfried Gerold: „Es ist besser, ein Denkmal zu erhalten, als beide an diesem Standort dem Verfall preiszugeben.“ Davon unabhängig sei es auch ökologisch sinnvoll, den geplanten Umschlagplatz der TeamTimber GmbH zu unterstützen und Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Darin fand er die Unterstützung von SPD-Fraktionsvorsitzendem Paul Theo Sommer: „Das Holz kommt von der Straße auf die Schiene.“ Und der Wasserturm sei in seinem jetzigen Zustand ein Schandfleck: „Irgendwann stellt sich dann die Frage der Verkehrssicherheit.“ Die SPD habe schon im Sommer den Antrag gestellt, den Wasserkran auf ein Areal in Höhe der Firma Busch an den Ruhrtal-Radweg zu versetzen - gemeinsam mit Sitz-Möglichkeiten und Infotafeln zur Bahn-Geschichte „wäre das eine Attraktion“, so Paul Theo Sommer.

Einstimmig beschlossen die Ausschussmitglieder, den Wasserturm aus der Denkmalliste auszutragen - und für den Wasserkran eine „Translozierung“ zu ermöglichen. Ob und wann die Beschlüsse umgesetzt werden können ist offen: In einem nächsten Schritt hat das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe die Möglichkeit zur Stellungnahme. Sollte von dieser Seite ein negatives Votum kommen, könnte sich der Bestwiger Gemeinderat per Beschluss darüber hinwegsetzen - die Denkmalbehörde hätte dann noch die Möglichkeit, das NRW-Innenministerium in dieser Sache anzurufen.