Historische Entwicklung Bestwigs
Die Geschichte der Siedlungsentwicklung der Gemeinde Bestwig läßt
sich seit der Bronzezeit zurückverfolgen:
Bronze-/Eisenzeit
• Die Anfänge der Besiedlung belegen archäologische Funde der Bronzezeit bei Gevelinghausen (bis 1974 zum Amt Bestwig gehörig) sowie eisenzeitliche und frühgeschichtliche Funde aus der Veleda-Höhle bei Velmede.
Mittelalter
• Die frühmittelalterliche Rodung begann mit Weilern und Einzelhöfen in Talrand- oder Quellmuldenlagen. Durch die verkehrsgünstige Lage an einer alten Landstraße durch das Obere Ruhrtal wurde Velmede von den Erzbischöfen von Köln als Zentralort des Kirchspiels besonders hervorgehoben. Im 10. Jh. sind etwa sechs Höfe auf der nördlichen Niederterrasse der Ruhr anzunehmen. Die erstmalige Erwähnung der Orte Nuttlar und Velmede erfolgte in der Stiftungsurkunde der Benediktinerabtei Grafschaft im Jahre 1072.
1296 erwarben die Grafen von Arnsberg die halbe Freigrafschaft Velmede. Bestwig –an der Einmündung der Valme in die Ruhr gelegen – war im 14. Jh. ein Kleinweiler mit einem Doppelhof des Stiftes Meschede und einem Hof des Klosters Grafschaft.
19./20. Jh.
• 1872 wird durch den Bau der Oberen Ruhrtalbahn sowie des Bahnhofes der Siedlungsschwerpunkt in das Ruhrtal gelegt. Die Wahl Bestwigs als Standort des Bahnhofes erfolgte, weil Grundeigentümer in Velmede sich weigerten, Flächen für Bahnanlagen zu verkaufen. Im Jahr 1897 folgte der Bau einer Erzbahn bis Ramsbeck und 1906 der Bau der Nebenstrecke nach Winterberg. Die Erzbahn wurde 1952 infolge der Konkurrenz des Straßentransports
eingestellt. Der Kleinweiler Bestwig vergrößerte sich dadurch von 1864 mit nur 44 Einwohnern bis 1905 auf 625 Einwohnern und entwickelte sich zu einer Eisenbahnergemeinde. Im Jahre 1826 werden Bestwig und die Stadt Eversberg zur Samtgemeinde Eversberg. Ein Antrag der „AG für Bergbau“ in Ramsbeck bewirkte 1854 die Verlegung des Amtssitzes nach Velmede. 1881 zieht die Verwaltung nach Bestwig um und man entschied sich 1911 für den Namen „Amt Bestwig“. Aus dem Planungsverband des Amtes Bestwig entstand durch Gebietsreform 1975 die Gemeinde Bestwig.
Die Siedlungsentwicklung steht in engem Zusammenhang mit der
vergangenen Wirtschaftsentwicklung:
• Bis zum 19. Jh. war die Landwirtschaft in den dörflichen Weilersiedlungen Velmede, Nuttlar, Ostwig, Heringhausen und Ramsbeck der Haupterwerb.
• Für Ramsbeck bildete schon im Mittelalter der Erzbergbau einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Auf der 500 m südlich des Ortes liegenden Erzhütte wurden mit Förderung des Kölner Kurfürsten aus dem Bastenberg Silber- und Bleierze gewonnen. 1815 begann mit der Gründung der Ramsbecker Gewerkschaft die frühindustrielle Phase des Bergbaus. Mißwirtschaft, Veruntreuung und geologische Fehleinschätzungen ließen 1854 den Versuch scheitern, Ramsbeck zu einem Montanstandort mit 3.000 Beschäftigten auszubauen. Die Entwicklung der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt zwang 1974 zur Schließung der Erzgrube. Der Bergbau im Dach- und Plattenschieferbereich erlebte durch die staatlichen Verbote von Strohdächern im 19. Jh. einen deutlichen Aufschwung. Die schon 1819 als Kleingruben tätigen bäuerlichen Kleinbetriebe vereinigten sich 1867 in der Schieferbau-AG Nuttlar. Zu den wichtigsten Anlagen zählten die Gruben „Ostwig“ und „Eva“ bei Bestwig. Durch das Nachlassen der Baukonjunktur und die zunehmenden Lohnkosten mußte der Wirtschaftszweig in Bestwig 1969 und in Nuttlar 1985 aufgegeben werden.
• Durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung an das Ruhrgebiet konnten die 1820 als Aschenhütte gegründete Firma Sauerwald und die Kornbrennerei und Hefefabrik in Nuttlar ihre Produktion ausweiten und diversifizieren. 1889 wurde in Bestwig die Maschinenfabrik Busch errichtet. Die Anfänge des Unternehmens liegen bei dem schon im Spätmittelalter (1556) erwähnten Eisenhammer in Meschede-Wehrstapel, auf dem Achsen für eisenbereifte Fahrzeuge geschmiedet wurden. Die Fabrik in Bestwig nutzt die Wasserkraft der Ruhr durch eigene Turbinen. Hier werden Achsen und Zubehörteile für die Fahrzeugindustrie produziert. Größter Arbeitgeber heute ist das Titan-Aluminium Feingußunternehmen „Tital“ in Bestwig. Die Neugründung ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Honsel-Werke AG Meschede und der W.C. Heraeus GmbH Hanau aus dem Jahre 1974. In dem Unternehmen werden Struktur-Bauteile aus Aluminium, Titan und Magnesium für die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Medizintechnik und Elektronik im Wachsausschnittverfahren produziert. Durch die Ansiedlung von Kleinbetrieben im verarbeitenden Gewerbe (überwiegend in den Gruppen Gießerei und Fahrzeugbau) ist es teilweise gelungen, die aus der Monostruktur der siebziger Jahre herrührende Strukturschwäche des schrumpfenden Bergbaus und des Rückzugs der Bundesbahn aus der Fläche zu kompensieren.
• Der größte Arbeitgeber in Bestwig war seit der Errichtung des Bahnhofs Bestwig-Nuttlar die Eisenbahnverwaltung, da gleichzeitig das Bahnbetriebswerk eingerichtet wurde. Durch Rationalisierungsmaßnahmen der Bundesbahn hat das Bahnbetriebswerk 1981 seine Selbständigkeit verloren und wurde mit dem Betriebswerk in Hagen zusammengelegt.
• In der Vergangenheit ist die Zahl der Beschäftigten im Beherbergungsgewerbe gestiegen. Der Bergbauort Ramsbeck wurde zu einem Fremdenverkehrsort umstrukturiert. Ramsbeck wie auch Ostwig sind als Erholungsorte staatlich anerkannt worden. Die Übernachtungszahlen von 19 Betrieben mit 868 Betten lagen 1997 bei 80.611. Der Schwerpunkt liegt in Föckinghausen am Arnsberger Wald. Die 1974 geschlossene Erzgrube im Dörnberg ist durch die Umgestaltung zu einem Erzbergbau-Museum mit Besucherbergwerk zu einer besonderen Sehenswürdigkeit für die Ferienregion geworden. Eine wichtige Attraktion für das Umland ist das 1972 mit einer Rutschbahn und einem Campingplatz eröffnete Fort Fun- Abenteuerland in Bestwig-Wasserfall. Ein Westerndorf mit einem Westernzug, eine Wildwasserbahn und Karusselanlagen ziehen zahlreiche Touristen an .
Geschichtliches:
Die erstmalige Erwähnung der Orte Nuttlar und Velmede erfolgte in der Stiftungsurkunde des Klosters Grafschaft im Jahre 1072.
Im 11. Jahrhundert begann die territoriale Entwicklung unter der Herrschaft der Edelherren von Rüdenberg über die Freigrafschaft Velmede, auch als Freigrafschaft Rüdenberg oder Valme bekannt. Das Gebiet gehörte dem Erzbistum Köln und war von diesem als Lehen ausgegeben worden. Es umfasste ungefähr den Bereich der ursprünglichen Pfarrei Velmede, die die größte der Erzdiözese Kölns darstellte.
Bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten die Edelherren von Rüdenberg die Herrschaft inne. Dann verkaufte 1295 Konrad von Rüdenberg einen Teil der Grafschaft, und zwar den westlich der Valme gelegenen, an den Grafen von Arnsberg. Eversberg, das Arnsberg gehörte, grenzte an diesen Bezirk. Damals kam Velmede mit all seinen Ortsteilen unter die Amtsverwaltung der Stadt Eversberg. Die östliche Hälfte der Grafschaft Velmede kam, nachdem sie 1315 an Waldeck verkauft worden war, später ebenfalls an Arnsberg.
Im Jahre 1368 gelangte die gesamte Grafschaft Arnsberg des kinderlosen Grafen Gottfried IV an Kurköln. Der Erzbischof war sehr interessiert an der Grafschaft, da diese mitten in dem Köln zugehörigen Herzogtum Westfalen lag. Dieses Herzogtum war in vier Steuerquartale (heute Landkreise) unterteilt: Bilstein, Brilon, Rüthen und Werl. Der gesamte damalige Amtsbezirk wurde dem Amt Brilon unterstellt.
Nach dem Frieden von Lunéville im Jahre 1802 kam Hessen-Darmstadt in den Besitz des Herzogtums Westfalen. Laut Reichsdeputationshauptschluss von 1803 stand ihm das Recht der Säkularisation von Klöstern, Stiften und Hochstiften zu. Von diesem Recht machte Hessen-Darmstadt umfassenden Gebrauch, beließ aber die Amtsbezirke vorläufig in ihrer alten Aufteilung. Während früher an der Spitze eines Amtsbezirkes der "Amtsdrost" stand, so hieß der Verwalter nun "Justizamtmann". Ihm unterstand auch die niedere Gerichtsbarkeit.
Die Einteilung änderte sich jedoch schon 1816, als Preußen Landesherr wurde. Als Neuerung wurden Landkreise geschaffen, wobei unsere engere Heimat zum Amt Arnsberg kam.
Neu gebildet wurde der Kreis Eslohe, dessen Verwaltung 1819 an Meschede kam; 1832 wurde der Kreis Eslohe in Kreis Meschede umgewandelt. Dieser Kreis hatte fünf Bürgermeistereien (Ämter) und zwei vereinigte Schultheißenbezirke, darunter die Bürgermeisterei Eversberg mit dem Kirchspiel Velmede. 1841 wurde mit der Einführung der Landgemeindeordnung aus der "Bürgermeisterei" ein "Amt".
Nach der Gemeindeordnung von 1841 war Velmede Samtgemeinde geworden, die alle anderen Orte des Amtes mit Ausnahme der Stadt Eversberg umfasste, mit ihr aber dennoch den Amtsbezirk bildete. Der Sitz der Amtsverwaltung war damals aus räumlichen Gründen von Eversberg nach Velmede verlegt worden. 1866 wiederum wurde die Samtgemeinde Velmede aufgelöst in die Gemeinden Berlar, Gevelinghausen, Heringhausen, Halbeswig, Nuttlar, Ostwig, Ramsbeck und Velmede. Berlar ist später in Ramsbeck und Halbeswig in Velmede aufgegangen. Es verblieben also noch 6 Gemeinden, die zusammen mit der Stadt Eversberg den damaligen Bestand von 7 Gemeinden bildeten. 1881 wurde der Amtssitz von Velmede nach Bestwig verlegt. Bis 1911 führte das Amt die Bezeichnung "Amt Eversberg zu Bestwig". In jenem Jahr erhielt das Amt auf Antrag die Bezeichnung "Amt Bestwig".
Nach dem ersten Weltkrieg wurde aus dem "Amtmann" der "Amtsbürgermeister", seit 1946 war der Aufgabenkreis aber geteilt. Der Amtsbürgermeister hatte die Repräsentation und den Vorsitz in der Amtsvertretung inne, die Verwaltung führte im Auftrag der Amtsvertretung der Amtsdirektor.
Die vorgenannten Gemeinden behielten ihre Selbständigkeit bis zum 31. Dezember 1974. Am 1. Januar 1975 wurde dann die Gemeinde Bestwig im Rahmen der kommunalen Neugliederung gegründet.
Es erfolgte der Zusammenschluss der selbständigen Gemeinden des damaligen Amtes Bestwig (ohne die Stadt Eversberg und die Gemeinde Gevelinghausen) unter Hinzuziehung der Gemeinde Grimlinghausen und der Ortschaft Valme. Die Gemeinde Bestwig besteht aus 7 Ortsteilen und hatte im Jahr 2000 rund 12.000 Einwohner.
Nach der Neubildung der Gemeinde Bestwig lagen Repräsentation und Vorsitz im Rat in der Hand des Bürgermeisters. Die Verwaltung wurde durch den Gemeindedirektor geleitet.
Bei der Kommunalwahl im Herbst 1999 wurde erstmals der Bürgermeister von den Bürgerinnen und Bürgern direkt gewählt. Der Bürgermeister vertritt und repräsentiert den Rat und ist verantwortlich für die Leitung und Beaufsichtigung des Geschäftsvorganges der gesamten Verwaltung. Damit gibt es nicht mehr das Nebeneinander von ehrenamtlichen Bürgermeistern und hauptamtlichen Gemeindedirektoren.
Am 10. September 2000 wurde unter dem Motto „Ein junges Jubiläum einer modernen Gemeinde“ im Rahmen einer Feierstunde im Bürger- und Rathaus das 25-jährige Bestehen unserer Gemeinde gefeiert. Diese Veranstaltung wurde eingebettet in den „Bestwiger Gastgarten“.

